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Maxi über Maxi (im Lauf der Jahre) mobil 08/2011, Magazin der Deutschen Bundesbahn, Seite 9
--- Volksmund Nr. 4, Spielzeit 2009/10, Münchner Volkstheater
--- MUCS, 9. München-Magazin der Jungen VHS, Frühjahr/Sommer 2009
1. Mit 17, bist du damals schon auf der Bühne gestanden? Mit dem Trachtenverein haben wir ein Hirtenstück aufgeführt - im Residenztheater. 2. ..., hast du zu der Zeit schon gewußt, daß du die Bühne zum Beruf machen willst? Nein. Ich habe die Schauspielerei nicht für einen Beruf gehalten. Damals wollte ich Medizin studieren. 3. ..., und wie lief es in der Schule? Ich war selten da und bin durchgefallen. 4. ..., welche Platten drehten sich auf deinem Teller? Bon Jovi und Bryan Adams. 5. ..., was war zu dieser Zeit dein Lieblingskleidungsstück? Jeans und ein weißes Hemd - Klamotten waren mir eher wurscht. 6. ..., welche Parole hast du an die Wände geschrieben? Wir haben mit der ganzen Klasse ein Banner aus dem Fenster gehängt, auf dem "Viva 11a" stand - ein Bekenntnis zum Klassenzusammenhalt. Hinterher haben wir alle Verweise bekommen. 7. ..., mit welchem Schülerjob hast du dir dein Taschengeld aufgebessert? Ich hab in einer Zimmerei gearbeitet. Und mit der Tuba hab ich Blasmusik gespielt - dafür gab's auch Geld. 8. ..., und wofür hast du dein Geld ausgegeben? CDs und Surfen. 9. ..., welche Tabus hast du gebrochen? Bayerisch geredet, obwohl Hochdeutsch als cooler gegolten hat. 10. ..., was war für dich der abscheulichste Ort in München? Ich bin auf dem Land großgeworden und lebe dort nach wie vor. Ich bin einfach kein Stadtmensch - mir hat es insgesamt nicht gefallen. So viel Dreck und Lärm und wenn man das Fenster aufmacht, schaut man auf die nächste Betonwand ... 11. ..., hast du trotzdem einen Lieblingsplatz in München? Das Volkstheater! 12. ..., was tatest du um Mädels kennenzulernen? Tanzen. In der Gegend gab's immer wieder Zeltfeste, wo bayerische Musik gespielt wurde. Da konnte man die Mädels zum Tanz auffordern. 13. ..., wie hast du gegen deine Eltern rebelliert? Rebellion ist nicht mein Stil. Ich finde, man sollte für alles offen sein. Jugendliche, die immer gleich gegen irgendwas sind, finde ich komisch. Klar gab's Streitereien damals - aber die Rebellionsmasche ging mir auf den Keks. 14. ..., was hat dir das Leben auf dem Land lebenswert gemacht? Meine Freunde natürlich, die Menschen dort. Und die Landschaft. 15. ..., und was hättest du dir von einer Jugend in der Stadt versprochen? Die Frauen hätten mich interessiert. Und es gab mehr Möglichkeiten zum Weggehen. 16. ..., was hättest du damals gerne verändert? Natürlich die Welt ... Nein, schon so lange her. (Nach langem Überlegen:) Einen Unfall, der zu der Zeit passiert ist. 17. ..., hast du je darüber nachgedacht München [???] zu verlassen? Ach, ich bin so viel unterwegs. Ich bin immer wieder froh, wenn ich heimkomme. ---
Wie spontan ist Maxi Brückner? Aus: Stars & Hits, Bayerischer Rundfunk B3 vom 27. Juli 2008, mit Thorsten Otto "Sekt oder Selters" - Bitte eine Antwort und eine kurze Begründung dazu: TO: Bayrisch oder Hochdeutsch? MB: Bayrisch. Weil i ja Bayer bin. TO: Theater oder Film? MB: Des ist gemein, des konn i ned sogn. I mog beides. Des konn i ned sogn. Da muaß i song beides. TO: Einen Joker hast! TO: Riedering oder München? MB: Riedering. Weil i do dahoam bin und weil i ned so der Stadtmensch bin. TO: Volksheld oder Elfenbeinturm? MB: Elfenbeinturm. Weil i des saucool find. Des hab i scho immer megn, so Fantasiesachen. I woaß scho, des is wahnsinnig peinlich, i bin ja ned sehr geschmacklos, oiso. TO: I find des super! MB: Ja. TO: Rollendes ‘R’ oder Zäpfchen-‘R’? MB: Wos isn a Zäpfchen-'R’? TO: Wenn mas nicht rollt. MB: Des bin ich Zäpfchen-'R’. Weil ich hob an bayrischen Sprachfehler, ich konn as 'R’ ned rollen. Des is a Riesenvorteil fürs Hochdeutsch immer gwen, aber i konns ned. Na, i konns ned. Geht ned! TO: Und nie beim Sprechtraining versucht es hinzukriegen? MB: Na, des woitns mir ja abtrainieren. Das war ja ein Riesenvorteil dass is ned ghabt hob. TO: Wie kann des passieren als Riederinger? MB: Keine Ahnung. Genetischer Defekt wahrscheinlich. TO: Unterwegs sein oder Ankommen? MB: Ahm, ankommen und dann wieder unterwegs sein. Ankommen um unterwegs zu sein. TO: Volksmusik oder Techno? MB: Volksmusik! TO: Weil? MB: Ohne Kommentar. Des brauch i ned kommentieren. TO: Disziplin oder Schlendrian? MB: Ha! Ha, des is ja so was von - ahm - jetzt bin i so was von spontan. Schlendrian wahrscheinlich eher. TO: Kannst du richtig faul sein? MB: Ja. Bei mir is ja immer so des Problem wenn i dann irgendwas mach, bin i sehr dahinter und gib ois. Und dann bin i die faulste Sau auf Erden. Oiso i sog ja, der Mensch is ja immer schwierig. I hob j so vui Sachen - verein ich in mir, die überhaupt nicht z’samm passen. Eigentlich alle Sachen die da [im Manuskript] drin stehen. TO: Deswegen bist du wahrscheinlich auch so ein guter Schauspieler. MB: Na, i woaß ned. Ma muaß oans dazu sagn ohne zu kokettieren: I hob wahnsinnig vui Glück ghabt. Da ghört vui Glück dazu. Es gibt sehr vui guade Schauspieler auch, de vielleicht ned de Chance ghabt hobn, und wenn ma dann die Chance hod und sich amoi Sachen auswählen darft, dann muaß ma, find i, a die Verantwortung ham, gut auszuwählen und dann ned alles zu machen. TO: Aber man muss die Chance auch nutzen. Es gibt Menschen die haben Chancen im Leben, nutzen sie aber nicht. MB: Ja, des stimmt. Ich habs versucht zu nutzen. Bis jetzt zumindest. TO: Wer weiß, wie’s weiter geht. MB: Grad bei diesem Beruf. Deswegen betracht i des mit wahnsinniger Vorsicht. Oiso i frei mi dass des ois so laft, aber ganz trau i dem Ganzen ned. Des ist sehr schnelllebig und es gibt andere. Des konn sich sehr schnell ändern. Deswegen betrachte ich des Ganze aus einer gewissen Distanz. TO: Dann geht’s weiter mit: Fortschritt oder Tradition? MB: Fortschritt. Die Tradition, die brauchts um den Fortschritt zu machen. TO: [Dieter] Wedel oder [Marcus H.] Rosenmüller? MB: (lacht) Rosi. Da kimm i ja fast ned aus! Tschuldigung, Herr Wedel! Weil da Rosi - ja weil mir so vui Schmarrn gmacht ham. Mit dem Herrn Wedel, ist des einfach ein anderes Alter. TO: Mit dem kann man nicht so viel Schmarrn machen? MB: Doch, konn ma a vui Schmarrn macha. Ma glabt des gar ned. Aber ist natürlich a Altersfrage wahrscheinlich. TO: Der Dieter Wedel hat dir ja ein großes Kompliment gemacht: "Man muss dankbar sein, dass es solche Talente wie den Maximilian gibt." MB: Ha - i woaß gar ned was i dazu sogn soi! Des gfreit mi wahnsinnig. Des geht runter wie Öl. I woaß ned - Danke! TO: Es ehrt dich, dass du so bescheiden bist. Sag halt einfach Danke. MB: Is ja schee, was soi dazu sogn? TO: Und dann steigern wir das Ganze noch: George Clooney oder Maximilian Brückner? MB: George Clooney. TO: Was??? MB: Weil der’s immer schafft mit einem Typen - den schauts hoit gern o. I muaß schaun, dass i mi immer wandel, aber des find i immer fazinierend. Es gibt Schauspieler, de spuin immer wieder so des Gleiche in eine Richtung. TO: Clint Eastwood, zum Beispiel. MB: Ja, dem schaust wahnsinnig gern zu. Aber des ist auch eine Riesenkunst, find i. Der [George Clooney] hat so eine Selbstironie, des mag i. TO: Die Selbstironie, hast du die auch? MB: Ja. TO: Kannst Du über dich lachen? MB: Ja unbedingt, das ist das Allerwichtigste. MB: Wenn ich ein Vorbild habe, des hab ich schon a paar Mal gsagt in Interviews, dann ist das der Ulrich Tukur. Des ist nämlich genau der Typ von Schauspieler, der an unglaublichen Charme hat. Er ist ein unglaublicher Schauspieler! Des Guate an dem Beruf und allen Interviews ist, du lernst an Haufa über dich selbst. Aber i geh hier raus nach dem Interview und sag: "Schee wars", und laß des genau da liegen wo’s in dem Raum war. Und nimm des ned mit und denk: "Wow, ich bin hier der Coolste", und marschier damit raus. I hab hoit des Pech ghabt und des Glück, dass i hoit nix anders konn ois a bissl rumspuin und auf der Bühne rumhupfen. A Schauspieler besteht, glab i, aus Egozentrik, Narzissmuss, Exhibitionismus, Eitelkeit, des ist so a Paarung. Weil, wer stellt sich sonst auf die Bühne und macht sich zum Helden oder Deppen für alle? --- Polylux - August 2007
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--- Berliner Morgenpost - 13. Februar 2007 Drei Fragen an Shooting Star Maximilian Brückner Berliner Morgenpost: Sie sind deutscher Shooting Star! Dabei haben Sie in Interviews alles getan, um ja nicht als Star dazustehen, trotz der Oscar-Nominierung von "Sophie Scholl". Maximilian Brückner: Ich habe mit dem Begriff 'Star' Probleme. Auch wenn ich das jetzt genieße: Interviews geben, Menschen treffen. Das ist eine Seifenblase, wenn auch eine sehr schöne. Ich spiele jetzt mal vier Tage lang diese völlig andere Rolle, und dann erdet mich meine Familie wieder. BM: Woher kommt es, dass Deutsche Probleme mit dem Star haben? MB: Kann sein, dass wir die Mentalität dazu nicht besitzen. In den USA ist das ein eigener Industriezweig, da wirst du von klein auf zum Star aufgebaut. In Deutschland wird man höchstens prominent. BM: Sind die Shooting Stars-Treffen wirklich wie eine große Familie, wie manche behaupten? MB: Ja, und das sage ich jetzt nicht nur, weil man nett über seine Kollegen reden muss. Ich habe mir die Filme der anderen angeschaut, ich meine, was die leisten! Jeder hier hat Riesenrespekt vor dem, was der andere kann. Und man erfährt, wie gut es einem im eigenen Film-Land geht: Manche Länder produzieren nur drei, vier Filme pro Jahr. --- Der Tagesspiegel - 12. Februar 2007 Maximilian Brückner, Schauspieler Befragt von Beatrix Schnippenkoetter WAS ICH MAG 1. Beim Aufwachen: Die Dusche. 2. Zu Hause: Normalität. 3. Am Schauspielern: Mich zu verkleiden. 4. Beim Drehen: Dass man viel rumkommt. 5. Im Kino: Unbemerkt wieder gehen zu können, wenn’s mir nicht gefällt. 6. Am deutschen Film: Dass er wieder am Kommen ist. 7. An den Shootingstars: Das "European" davor. 8. An den Filmfestspielen Berlin: Den Rummel. 9. An Berlin: Den Bären. 10. An Deutschland: Die Fußball-WM ’06. 11. Und sonst ...: Den Kinofilm "Wer früher stirbt, ist länger tot". 12. Ein Satz, den ich gerne öfter hören würde: "Da kenne ich mich nicht so aus, da halt ich lieber die Klappe". WAS ICH NICHT MAG 1. Beim Aufwachen: Allein aufwachen. 2. Zu Hause: Dass bei uns zurzeit zu wenig Schnee liegt. 3. Am Schauspielern: Jedes Mal dieses furchtbare Lampenfieber. 4. Beim Drehen: Hotelzimmer. 5. Im Kino: Leute, die sich unterhalten und zu laut ihr Popcorn mampfen. 6. Am deutschen Film: Bin eigentlich ganz zufrieden damit. 7. An den Filmfestspielen Berlin: Die Anreise – ich komme aus Bayern. 8. An Berlin: Dass einem der Bahnhof auf den Kopf fällt. 9. Und sonst: Klimawandel. 10. Ein Satz, den ich nie wieder hören will: "Sie sind doch der Vorzeige-Bayer ..." --- FOCUS Nr. 42 (2006) - 16. Oktober 2006 Fragebogen Maximilian Brückner Der Schauspieler über Goya, Geheimratsecken und hübsche Mädchen mit Herz. Was gefällt Ihnen an sich besonders? Wenig. Welches politische Projekt würden Sie beschleunigt wissen wollen? Frieden im Nahen Osten. Was treibt Sie an? Neugierde. Wem würden Sie mit welcher Begründung einen Orden verleihen? Gerhard Polt, weil der ihn sofort zurückgibt. Auf welche eigene Leistung sind Sie besonders stolz? Dass ich mich überhaupt zeugen ließ. Als Kind wollten Sie sein wie ...? Spider Man. Wie können Sie am besten entspannen? Zu Hause bei meiner Familie. Was ist für Sie eine Versuchung? Jedes hübsche Mädchen mit Herz, Hirn und Humor. Was war Ihr schönster Lustkauf? Mein Gleitschirm. Welches Lied singen Sie gern? "Oane geht no, oane geht oiwei." Natürlich ganz leise mit meinen Brüdern auf dem Heimweg vom Oktoberfest. Schenken Sie uns eine Lebensweisheit ... Hüte dich vor Schmeichlern. Für welchen Maler würden Sie viel Geld ausgeben? Für einen Goya. Wo hätten Sie gern Ihren Zweitwohnsitz? In Castel Gandolfo. Was können Sie besonders gut kochen? Tee. Was wäre Ihre Henkersmahlzeit? Mamas geniale Fleischpflanzerl. Oder hochdeutsch: Buletten. Mit wem würden Sie gern einen Monat lang tauschen? Derzeit nur mit mir. Hier können Sie drei Bücher loben ... Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray, Gabriel García Màrquez: Hundert Jahre Einsamkeit, Michail Afanasjewitsch Bulgakow: Der Meister und Margarita. Wo bleiben Sie beim Zappen hängen? Regelmäßig mit dem Honigbrot an der Fernbedienung. Wo zappen Sie immer weg? Beim "Dilettanten-Stadl" und Stoiber-Reden. Ihre Lieblingsschauspielerin? Keira Knightley. Ihr Lieblingsschauspieler? Gérard Depardieu. Ihre Lieblingsfigur in der Geschichte? Leonardo da Vinci. Was sagt man Ihnen nach? Einen Dickschädel. Was mögen sie an sich gar nicht? Meine wachsenden Geheimratsecken. ZUR PERSON: "Tatort"-Jungkommissar "Schülerlotse aus Bayern" - so verspottet sein Kollege Stefan Deininger Brückner als Hauptkommissar Franz Kappl am Sonntag [15. Oktober 2006] in seinem ersten Tatort "Aus der Traum". Vielseitigkeit ist Brückners Arbeitsprinzip: Im Salzburger "Jedermann" spielte er den Mammon, mit Dieter Wedel drehte er als Jurist, im Kino ist er zu sehen in "Wer früher stirbt, ist länger tot". Der aktive Schuhplattler, 1979 als erstes von acht Kindern geboren, lebt mit zwei seiner Brüder auf einem Bauernhof in Oberbayern. --- Die Welt - 14. Juni 2005 "Bloß nicht verbiegen lassen". Ob als "Mammon" oder "Boandlkramer": Die Kritik feiert den Jungschauspieler Maximilian Brückner. Er selbst nimmt den Erfolg gelassen Von Hermann Weiß Neulich beim Maßkrugspülen auf dem Dorffest in Baierbach hatte er noch Reste von Goldlack an den Nägeln: Spuren seiner Bühnenexistenz als "Mammon", als personifizierter Reichtum, beim "Jedermann" in Salzburg. "Ah, da schau her", sagten die Burschen aus dem Ort, steckten die Köpfe zusammen und feixten: "Unser arbeitsloser Schauspieler!" Ein anderer hätte in dieser Situation vielleicht gesagt, wie es wirklich ist - daß sie hinter ihm her sind wie der Teufel, die Theaterleute und die vom Film. Daß es längst so weit ist, daß er sich überlegen muß, was er macht, welche Rollen er annimmt und welche nicht. Maximilian Brückner aber hat sich die Baseballmütze in den Nacken geschoben - was den lustigen Effekt hat, daß die Haare sofort nach allen Richtungen stehen - und mit den Schultern gezuckt: "Ja mei, hab' ich g'sagt ..." Auch jetzt hat er keine Lust, den erfolgreichen Schauspieler "heraushängen" zu lassen. Lieber genießt er die Ruhe am See, schlendert auf den Steg hinaus, kommt wieder zurück und erzählt, wie es war, als er hier der "Oberchief" gewesen ist. Wie er sie alle ins Wasser geworfen hat, seine Freunde und vielleicht auch mal ein Mädel, und daß das Wirtshaus hier einmal sein Zuhause war: "Vater, Mutter und acht Kinder im ersten Stock. Unterm Dach. Das war schon eng." In der Schule ist er durchgefallen damals, weil er der Mutter bis in die Nacht hinein beim Bedienen geholfen hat. Aber die Mutter ist es auch gewesen, die ihn nach München geschickt hat, zum Vorsprechen an die Falckenbergschule: ""Geh' Mama", hab' ich g'sagt, "ich bin doch kein Schauspieler. Das ist doch kein Beruf."" Heute, mit 26, ist Maximilian Brückner aus Riedering im Chiemgau so weit wie nicht viele Schauspieler in seinem Alter. Er ist Gast am Münchner Volkstheater und kann nebenbei noch drehen - Freiheiten, die Volkstheater-Intendant Christian Stückl ihm auch deshalb gewährt, weil er weiß, daß einer wie Brückner sich eh nicht aufhalten läßt. Für ihn zählt nur die Lust am Spielen. Er ist der Bastian Schweinsteiger der Münchner Theaterszene, kreativ, inspiriert, mit einem ungestümen Drang nach vorn und dabei von einer erfrischenden Sorglosigkeit. Mag ja sein, daß der verstorbene Toni Berger dem "Boandlkramer" im "Brandner Kaspar" in Jahrzehnten ein unverwechselbares Gesicht gegeben hat. Aber seit der letzten Spielzeit, seit der Neuinszenierung des "Brandner" am Münchner Volkstheater, reden sie auch in Berlin vom "Boandlkramer" und - von Maximilian Brückner. Sogar bei der linksalternativen 'taz' gerieten sie ins Schwärmen: "Brückner spielt einen erstaunlich jungen Tod: zahnlückig, barfuß und zerrupft, ein aufgedrehtes Rumpelstilzchen mit wenigen schwarzen Strähnen auf dem Kopf - aber auch eine Spielernatur, verführbar und verführerisch, ein grausamer Schelm." Paradigmenwechsel auch in Salzburg. Der "Jedermann", die Geschichte vom Leben und Sterben des reichen Mannes, ist im Remix von Christian Stückl kein bierernstes Unternehmen mehr, sondern manövriert sich mit fast schon provokanter Leichtigkeit durch das Schicksalhafte. Besonders deutlich wird das in der Interpretation des Mammons: "Geld, das ist doch nichts Schweres, hat der Christian Stückl zu mir gesagt. Das ist schnell, läuft dir durch die Finger. Es gehört dir nie und verarscht dich bloß", erzählt Brückner. Aus dem altersschweren Dämon, wie ihn Brückner-Vorgänger Thomas Thieme verkörperte, ist deshalb bei Stückl ein "Rokoko-Strichjunge" geworden - sexy, mit Tanga und goldbepudertem Hintern. "Die Idee fand ich super", sagt Brückner, "aber ich hab' schon auch geschluckt." Der Oberbayer, der im Trachtenverein groß geworden ist, ist nicht prüde. Aber für billige Tricks von Regisseuren, die mit Skandalen um Aufmerksamkeit für sich, ihr Stück oder ihren Film werben, ist er sich zu schade. Umgekehrt, wenn die Rolle es verlangt, ist er der, der alles gibt: "Ich würde mir einen Bauch anessen, die Haare abschneiden, ganz egal. Aber ich hab' das Gefühl, das ist in Deutschland gar nicht erwünscht. Bei uns spielen viele immer das gleiche und kommen damit durch." Brückner, der eigentlich nie Schauspieler werden wollte, sondern Mediziner, beschreibt sich selbst als bodenständig, aber mit dem "notwendigen Dachschaden, den man braucht, um aus gewissen Grenzen herausspringen zu können". Da ist der Riederinger Bua, der lieber zum Surfen, Klettern oder Skifahren geht anstatt auf dem Münchner Filmfest das eigene Ego spazieren zu führen. Aber da ist auch der Künstler in ihm, der nichts mehr haßt als den Status quo: "Wenn ich was mach'", sagt Brückner, "möchte ich auch wissen, wie weit das geht." In seinem Erstlingsfilm "Männer wie wir" erlebt Brückner ein Coming-out und knutscht mit seinem schwulen Freund: ein Happy-End nach langem, lustigem, aber nie kompromittierendem Intro. In "Allein", seinem neuen Kinofilm, ist er der ruhende Pol im Leben einer Borderlinerin, die sich nach Nähe sehnt und diese Sehnsucht mit sexuellen Exzessen kompensiert. Brückner lotet vorsichtig aus und geht mit seinen Figuren fast zärtlich um. "Der Maximilian ist ein Juwel", sagt die Filmemacherin Sherry Hormann über ihn, "denn er strahlt etwas sehr Seltenes aus: pure Unschuld." Anders als etwa Robert Stadlober, an den er vom Aussehen her erinnert und der sich gern als Rocker und Rebell inszeniert, ist Brückner so gar nicht cool. Im Trachtenverein ist er heute noch, er wohnt mit zwei Brüdern auf dem Bauernhof, und in seiner Vorstellung davon, wie es weitergehen soll, spielt neben der Schauspielerei auch der Wunsch nach Familie und Kindern eine Rolle. Ab und zu muß er sich für all das auslachen lassen. "Aber", sagt er und wischt sich eine Locke aus Stirn: "Ich bin dafür, daß man die Menschen läßt, wie sie sind." ---
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