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Photos © AP
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Premiere
2004:
Samstag, 24. Juli 2004, 17:30 Uhr - Spielstätte:
Großes
Festspielhaus
Besetzung
2004:
Rudolf Wessely - Gott der Herr
Jens Harzer - Tod
Peter Simonischek - Jedermann
Jennifer Minetti - Jedermanns Mutter
Tobias Moretti - Jedermanns guter Gesell
Rudolf Wessely - Ein armer Nachbar
Anton Burkhart - Ein Schuldknecht
Susanne Schäfer - Des Schuldknechts Weib
Veronica Ferres - Buhlschaft
Johann Christof Wehrs - Der Hausvogt
Maximilian Simonischek - Der Koch
Oswald Fuchs - Dicker Vetter
Achim Buch - Dünner Vetter
Maximilian Brückner - Mammon
Elisabeth Rath - Gute Werke
Elisabeth Schwarz - Glaube
Tobias Moretti - Teufel
Gerald Koblinger - Knecht
Riederinger Kinder - Die Spielansager
Ars Antiqua Austria
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Stab:
Inszenierung: Christian Stückl
Bühne und Kostüme: Marlene Poley
Musik: Markus Zwink
Musikalische Leitung: Gunar Letzbor
Lichtdesign: Tobias Löffler
Mammon (Maximilian
Brückner)
|
Weitere
Aufführungen (Spielstätte Domplatz, bei schlechtem
Wetter
Großes Festspielhaus):
25. Juli 2004, 17.30 Uhr ; 26. Juli 2004, 20.30 Uhr ; 5. August 2004,
17.30 Uhr ; 8. August 2004, 17.30
Uhr ; 12. August 2004, 20.30 Uhr ; 15. August 2004, 20.30 Uhr ; 18.
August 2004, 17.00 Uhr ; 21. August 2004, 17.00 Uhr ; 24. August 2004,
17.30 Uhr ; 27. August 2004, 20.30 Uhr
Spiel mit dem Tod
Auch
in diesem Jahr wieder das absolute Highlight, das Salzburger
Erfolgsstück: "Jedermann". Die elf Vorstellungen auf dem
Domplatz
sind
längst ausverkauft und sogar hoffnungslos überbucht.
Peter
Simonischek
spielt wieder den "Jedermann", seine Buhlschaft ist zum letzten Mal
Veronika Ferres - lebenslustig, erotisch. Hugo von Hofmannsthals
Stück
vom Leben und Sterben des reichen Mannes ist eine nicht enden wollende
Erfolgsgeschichte.
"Hofmannsthal hat
sich manchmal
gewünscht, dass er so gespielt wird wie in Oberammergau",
sagt Christian Stückl,
"aber das
war ein Traum von ihm, der nie erfüllt werden wird, denn sonst
müsste man den 'Jedermann' ja mit Laien machen. Die Leute
mögen so etwas
wie eine
Tradition. Wenn man merkt, es ist eine Tradition, liebt man es auf
irgendeine Weise, auch wenn man es oft von sich wegschiebt",
glaubt
der Regisseur.
Dieses Stück läßt keinen kalt
"Peter
Simonischek, der jetzt den Jedermann spielt und irgendwann den Tod
gespielt hat, sagt, er hat es noch bei keinem Theaterstück
erlebt,
dass die Leute in dem Moment, in dem der Tod auftritt, so still und so
ruhig
werden", erzählt Stückl. "Es ist ganz komisch, dass die
Leute
es doch so an sich herankommen lassen." Jedermann - diese
sonderbare Mischung
aus Kitsch und Konvention lässt keinen kalt, heißt
es bei
Kritikern.
Maximilian
Brückner spielt den Mammon: Geld regiert die Welt - das passt
doch
gut zu Salzburg. "Eine
Allegorie ist
einfach keine Person, sondern
irgendwas, das es gar nicht gibt. Geld ist einfach phantastisch zu
spielen, weil man einfach jede Möglichkeit hat, der Phantasie
sind
keine Grenzen gesetzt", beschreibt der Schauspieler diese
Herausforderung.
Nie war Mammon, der personifizierte Reichtum, so sexy wie heute:
als Rokoko-Strichjunge mit Tanga und goldbepudertem Po, gespielt von
Maximilian Brückner. Publikum und Kritik finden den
Dämon aus München
einfach "hinreißend".
Jedermann für Jedermann: Was das archaische
Volksstück gerade in Salzburg so populär macht,
könnte
der Gegensatz
sein: Je reicher und schöner das Publikum, desto lieber
besinnt es
sich
vielleicht auf das eigene Ende: ganz prominent - auf dem Domplatz in
Salzburg.
Quelle: Kulturzeit
extra

Isabella Brückner -
Rudolf Wessely(?)
|

Jennifer Minetti - Peter
Simonischek |

Veronica Ferres -
Achim Buch
- Peter Simonischek |

Veronica Ferres - Peter
Simonischek |

Elisabeth Schwarz - Tobias
Moretti
|

Peter Simonischek
-
Jens Harzer
|
Sterben
im Trockenen
Wegen eines Tiefs aus Bayern musste die Premiere von "Jedermann" ins
Große Festspielhaus: Ohne Domfassade, doch in selten zu
erlebender Intensität.
Der Mann, der das Große Festspielhaus betrat, auf die schwarz
ausgeschlagene Bühne blickte, wo eine einsame Heiligenstatue
stand, kopfschüttelnd etwas von einem "Gesamtkunstwerk"
murmelte
und wieder ging, dieser Mann war die Ausnahme. Tausende andere nahmen
es hin, dass Hugo von Hofmannsthals "Jedermann" bei der Premiere am
Samstag nicht im Freien gespielt werden konnte. Der Mann wollte eben
nicht auf die Dom-Fassade verzichten, nicht auf die flatternden Tauben
und auf die in großer Höhe den Domplatz querenden
Flugzeuge.
Ein über Bayern hereinziehendes Tief, so erklärte es
Regisseur Christian Stückl vor Beginn der Aufführung,
ließe es ratsam erscheinen, nicht draußen zu
spielen. Er
bedauerte es zutiefst und kündigte an, dass die Schauspieler
ihr
Doppeltes geben würden. Das war nicht bloß
dahergesagt: Eine
in diesem Ausmaß selten zu erlebende Intensität
kennzeichnete die Premiere.
Christian
Stückl hat offensichtlich an seiner
Inszenierung weitergearbeitet, so dass sie noch stärker und
überzeugender wirkt. Er versteht sein Handwerk. Allein der
Einfall,
eine Kindertruppe einzusetzen, die für einen parodierenden
Einstieg
sorgt, und im Lauf des Spiels entscheidende Übergänge
mitgestaltet,
zeugt von einer bemerkenswerten Theaterpranke.
Aber auch die Art, wie er einerseits turbulente Aktion entfaltet und
andrerseits Gedankliches nicht zu kurz kommen lässt (und das
alles
auf
der Basis eines doch sperrigen Textes), kann nicht genug gelobt werden.
Er kann von einem verlässlichen Kraftzentrum für
seine
Inszenierung
ausgehen: Das ist die Souveränität und der Nachdruck,
mit dem
Peter
Simonischek den Jedermann gestaltet. Er ist nicht nur der
Hauptcharakter einer alten Moralität, er hat auch
zeitgemäße Züge und
kann damit das Publikum von heute beeindrucken.
Die sinnliche Komponente ist in Stückls Inszenierung wichtig.
Daher
darf Veronica Ferres, die Buhlschaft, auf dem Rücken liegend
mit
ihren
schönen Beinen in der Luft strampeln.
Und der Regisseur zieht aus einzelnen Szenen die
größtmögliche Wirkung.
So etwa wird der Abschied des Guten Gesellen, den Tobias Moretti
spielt, von Jedermann nach dem Auftritt des Todes zu einem
Kabinettstück subtiler Komik. Moretti glänzt auch in
seiner
zweiten
Rolle, in der des Teufels, der nur zu einem geringen Teil eine harmlos,
volkstümlich-lustige Figur ist, denn vor allem erscheint er
auf
seinen
Bocksfüßen als Dämon, als
Verkörperung des
Widerwärtigen.
Einiges kommt einem neu vor. Dauerte die Szene am Ende der
Tischgesellschaft, das Feilschen mit dem Tod, immer schon so lang? Der
Tisch ist zerbrochen, Jedermann und der Tod vertiefen sich in ein
ernsthaftes Gespräch. Nach dem lärmenden Fest wirken
diese
Minuten
besonders intensiv. Es sei nicht verschwiegen, dass Jedermanns
Bekehrung und Errettung den Regisseur vor unlösbare
Schwierigkeiten
stellt. Immerhin widersteht Stückl der Verführung zum
Kitsch.
Es gibt wieder einige Umbesetzungen:
Elisabeth Schwarz als Glaube zu engagieren, war ein guter Griff. Diese
kleine Person steht nicht statuenhaft da, sondern huscht gelenkig
über
die Bühne und tut etwas gegen die Plagen dieser Welt. Die
Stimme
sagt,
dass man ihr vertrauen kann.
Einen neuen Mammon gibt es auch: Maximilian Brückner ist eine
obszöne,
doppelgesichtige Glitzergestalt. Denn einerseits gibt er sich
zugänglich und verspielt, andererseits zeigt er Jedermann
seine
Brutalität.
Rudolf Wessely tauchte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder im
"Jedermann"-Ensemble auf. Diesmal ist er der Rabbi, als den
Stückl
"Gott den Herrn" im Spiel zeichnet. Die Figur ist strenger konturiert,
als sie es noch vor zwei Jahren war. Dieser Gott geht unter die
Menschen, er greift ein, wird verspottet, behält aber stets
seine
Würde. Er ist auch der Arme Nachbar, an dem sich Jedermann
schuldig
macht, indem er ihn mit einer kleinen Münze abfertigen
möchte.
Von Bekannten und Freunden wird man nach der Aufführung fast
wie
nach
einer überstandenen Krankheit bemitleidet. "Wie schade, dass
nicht
heraußen gespielt werden konnte." So groß aber ist
der
Schaden nicht.
Das Glockenläuten erklingt auch im Festspielhaus, und die
Jedermann-Rufe ertönen drinnen nahezu ebenso schauerlich wie
draußen.
© Werner Thuswaldner, Salzburg (SN/APA)
Quelle: Salzburg.com, 26. Juli 2004
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Fernsehaufzeichnung: 21. Juli, 12., 15., 27. August 2004
Regie: Kurt Liwehr
Fernsehpremiere: ORF 4. September 2004 ; 3sat
25. März 2005

VÖ: 19.11.2004 |
Jedermann
kennt Jedermann - Hofmannsthals "Spiel vom Sterben des
reichen Mannes" ist Kult. Seit es 1920 das erste Mal auf dem Domplatz
in Salzburg gegeben wurde, nimmt das Schauspiel einen zentralen Platz
bei den Salzburger Festspielen ein. Stars reißen sich darum
einmal den
Jedermann, die Buhlschaft, den Teufel spielen zu dürfen. Von
2002
an
waren es mit Peter Simonischek, Veronica Ferres und Tobias Moretti die
populärsten Bühnen- und Filmschauspieler aus
Österreich
und
Deutschland. Und der junge Schauspieler Jens Harzer konnte in der Rolle
des Tod seinen Durchbruch erringen.Trotz des
ungebrochenen Interesses - die Vortstellungen sind eigentlich immer
ausverkauft - gab es bisher keine vollständige Aufzeichnung
des
Kultstückes. Mit der vorliegenden DVD kann nun jeder die
Geschichte um
das verlorengegangene und wiedergefundene Seelenheil des reichen
Jedermann erleben - live von den Salzburger Festspielen, wo der Mythos
des Kultstücks geboren wurde. "Komödiantisch,
erotisch,
volkstümlich...", beschrieb die Wiener Zeitung die hier
aufgezeichnete
Interpretation vom Sommer 2004, in der auch das "Dream-Team"
Simonischek, Ferres und Moretti das letzte Mal zu sehen war.
DVD
Extras: Die Produktion ; Der Regisseur im Gespräch ; Das
Salzburger Land. Laufzeit: 2:17:00 |

W-VÖ: 6.6.2011 |

Peter
Simonischek - Maximilian
Brückner (Photo © AP) |

Peter
Simonischek - Maximilian
Brückner (Photo © AP)
|
"... Der
Maximilian
Brückner hat mit mir in Salzburg den 'Jedermann' gmacht, da
war er
der Mammon. Da habn am Anfang a alle gsagt, wia konn ma so an Junga,
des war ja a oiwei so a großa, dicker Fester, der da in der
Truhe
drin gsteckt ist, und da Maxi war irgendwie a ganz Junger der aus der
Truhe raus gsprunga is und so schnell wia's Geld is er davon glaffa
..." Christian Stückl, im Frühjahr 2005
"Geld, das ist
doch nichts
Schweres, hat der Christian Stückl zu mir gesagt. Das ist
schnell,
läuft dir durch die Finger. Es gehört dir nie und
verarscht
dich bloß". Aus dem altersschweren
Dämon, wie ihn
Brückner-Vorgänger verkörperten, ist deshalb
bei
Stückl ein "Rokoko-Strichjunge" geworden - sexy, mit Tanga und
goldbepudertem Hintern.
"Die Idee fand ich super, aber ich hab'
schon auch geschluckt." Maximilian
Brückner, im
Sommer 2005
~~~~~
Premiere
der Wiederaufnahme 2005:
Montag, 25. Juli 2005, 17:30 Uhr -
Spielstätte: Domplatz
Besetzung
2005:
Karl Merkatz - Gott der Herr
Ulrike Folkerts - Tod
Peter Simonischek - Jedermann
Bibiana Zeller - Jedermanns Mutter
Tobias Moretti - Jedermanns guter Gesell
Karl Merkatz, Ein armer Nachbar
Arthur Klemt - Ein Schuldknecht
Susanne Schäfer - Des Schuldknechts Weib
Johann Christof Wehrs - Der Hausvogt
Olaf Weissenberg - Der Koch
Nina Hoss - Buhlschaft
Heinz Zuber - Dicker Vetter
Achim Buch - Dünner Vetter
Maximilian Brückner - Mammon
Elisabeth Rath - Gute Werke
Elisabeth Schwarz - Glaube
Tobias Moretti - Teufel
Gerald Koblinger - Knecht
Riederinger Kinder - Die Spielansager
Ars Antiqua Austria
|
Stab:
Inszenierung: Christian Stückl
Leitung: Martin Kušej
Regie der Wiederaufnahme: Henning Bock
Bühne: Marlene Poley
Kostüme: Marlene Poley, Dorothea Nicolai
Musik: Markus Zwink
Musikalische Leitung: Gunar Letzbor
|
Weitere Aufführungen:
27. Juli 2005, 20.30 Uhr ; 3. August 2005, 20.30 Uhr ; 4. August 2005,
20.30 Uhr ; 9. August 2005, 20.30 Uhr ; 15. August 2005, 17.30 Uhr ;
24. August 2005, 17.00 Uhr ; 29. August 2005, 16.30 Uhr ; 30. August
2005, 16.30 Uhr ; 31. August 2005, 16.30 Uhr
Der Sensenmann ist eine Frau
Wenn
am 25. Juli die Salzburger Festspiele 2005 traditionell mit dem
"Jedermann" eröffnet werden, darf das Publikum zwar keine
radikal
neue
Inszenierung erwarten, aber zumindest viele neue Schauspieler in der
drei Jahre alten Regiearbeit von Christian Stückl. In dem seit
85
Jahren in Salzburg bewährten Mysterienspiel vom Leben und
Sterben
des
reichen Mannes gibt es aus Sicht von Regisseur Henning Bock die "wohl
entscheidendste Neubesetzung": Der Tod wird erstmals in der Salzburger
Geschichte von einer Frau gespielt.
TV-Kommissarin Ulrike
Folkerts verkörpert die Rolle in kaltem Silber und ohne Haar
auf
dem
Schädel. Nina Hoss wird Veronica Ferres als Buhlschaft
ersetzen -
und
versuchen, dem Vergleich mit ihrer Vorgängerin Stand zu
halten. "Wir
haben versucht, mit Nina Hoss gegenüber Ferres eine
mädchenhaftere,
naivere und reinere Buhlschaft zu erarbeiten. Nina Hoss wird aber auch
eine Frau verkörpern, die genau weiß, was sie will,
und sich
dafür
nicht schämt", sagt der Regisseur, der von
Schauspielchef
Martin Kušej
mit der Überarbeitung der Stückl-Inszenierung
beauftragt
wurde. "Ich
würde wohl auch Nein sagen, wenn mich meine Partnerin
aufordern
würde,
sie in den Tod zu begleiten", so Bock. "Es ist ein
Glücksfall,
dass uns
diese schöne, prominente und begabte Frau ins Netz gegangen
ist."
Leichter, humorvoller, weniger melodramatisch
Neu
besetzt ist zudem die Rolle von Jedermanns Mutter: Anstelle von
Jennifer Minetti wird sich Bibiana Zeller um das Seelenheil des
leichtfertigen Lebemanns sorgen, nur, so Bock, "leichter, humorvoller
und weniger melodramatisch". Auch dem neuen Gott und armen Nachbarn
Karl Merkatz haben Kušej und Bock versucht, Leichtigkeit und
Kindlichkeit mitzugeben, "schließlich
ist der liebe Gott bei
Hofmannsthal auch für die Kinder und das schöne
Wetter
zuständig",
meint Henning Bock.
"Ich wollte die
neuen
Schauspieler so in
die Regie einzubauen, dass das Wesen der Stückl-Arbeit
erhalten
bleibt,
und doch die Neuen ihren besonderen Fähigkeiten und
Eigenheiten
entsprechend individuell zur Geltung kommen können",
erklärt
der
Regisseur. "Die
Personenregie
würde ich also unter dem Strich als
halb-neu bezeichnen. Dumm wäre es gewesen, die neuen
Schauspieler
zu
zwingen, genau wie die alten zu agieren."
Quelle: Kulturzeit, 22.7.2005

Die Riederinger Kinder (u.a.
Franz-Xaver,
Susanne und Isabella Brückner)
|

Tobias Moretti - Karl Merkatz
- Peter
Simonischek |

Peter Simonischek - Nina Hoss
- Ars Antiqua
Austria
|

Nina Hoss - Peter Simonischek
-
Ulrike Folkerts |

Maximilian Brückner -
Peter Simonischek |

Maximilian Brückner -
Peter
Simonischek |
Photos:
©
Clärchen Baus-Mattar & Matthias Baus, Salzburger
Festspiele 2005
"Jedermann":
Blitzende Zähne statt wogender Busen
Mysterienspiele sind wie Gulasch: Aufgewärmt schmecken sie
meist
besser. Das gilt auch und gerade für den Salzburger
"Jedermann",
selbst wenn das letzte Gericht aus Wettergründen statt auf dem
Domplatz im Großen Festspielhaus serviert wird.
Schauspieldirektor Martin Kusej leitet die Wiederaufnahme von Christian
Stückls Inszenierung aus dem Jahre 2002, Regie führt
allerdings laut Programmheft Henning Bock. Etwas kompliziert,
gewiß. Das Luxusfestival kann sich bei der Hofmannsthalschen
Moralität vom Sterben des reichen Mannes eben mehrere
Köche
leisten. Doch Publikum und Medien zeigen hier seit eh und je weniger
Interesse für die ästhetische Qualität der
Aufführung als für die paradierenden Stars. Wer
verendete
virtuoser? Curd Jürgens oder Klaus Maria Brandauer, Gert Voss
oder
Helmut Lohner? Noch stärker erregt die jeweilige Inhaberin
einer
tragenden Nebenrolle die Gemüter. Sie hat keinen Namen, nur
eine
Funktion und heißt in Hofmannsthals altertümelndem
Deutsch
schlicht und einfach "Buhlschaft". Für sie ist die
Bühne vor
allem Laufsteg, um ewig junge Männerfantasien vorzustellen und
zu
bedienen. Die Ansprüche sind die höchsten nicht.
Pralle
Brüste und ebensolches Gesäß reichen in der
Regel.
Damit ist das Klischee vom barocken Prachtweib - schön wie die
Sünde - erfüllt. Nina Hoss hat es
diesbezüglich,
zumindest verglichen mit ihrer Vorgängerin im lasziven Amt,
Veronica Ferres, schwerer. Wogenden Busen muß sie durch
strahlende Zähne ersetzen. Aber die kühle Blonde mit
dem
frisch erworbenen Spitznamen "Coolschaft" macht ihre Sache sehr
ordentlich, darstellerische Gipfelstürmerei erwartet niemand
von
ihr.
Die zweite spektakuläre Neubesetzung erweist sich als
unergiebiger. "Tatort"-Kommissarin Ulrike Folkerts mimt den Tod, was
als Pointe ganz hübsch klingt: Der Sünder wird
verhaftet und
ins Jenseits abgeführt. In der Praxis freilich zeitigt die
Geschlechtsumwandlung keine besondere Wirkung. Madame la Mort ist um
nichts unheimlicher als ihr männlicher Kollege, im Gegenteil.
Positiv überrascht Peter Simonischek in der Titelpartie. Er
verzichtet nun auf kraftmeierndes Röhren und
überdimensionale
Gesten, aus dem Popanz Jedermann wird ein Mensch.
Ein Fortschritt ist zudem Maximilian Brückner als glitzernd
schwuler Mammon: Wenn schon Tunte, dann richtig.
Mittlerweile glänzend, auch ohne Flitter: Tobias Moretti in
Personalunion von "gutem Gesellen" und Teufel. Das Fiese nimmt man ihm
ebenso ab wie das Ordinäre. Dieser Höllenkauz von
echtem
Schrot und Korn hat, was den anderen Figuren fehlt: Geist und Witz.
Rechtens empört er sich über den göttlichen
Raub seiner
legitimen Beute: Nie war eine Bekehrung verlogener als diejenige des
plötzlichen Büßers.
Unverändert blieb leider Christian Stückls finaler
Friedhofskitsch mit schwarz geflügeltem Totenengel. Kein
Wunder,
daß dem Teufel dabei schlecht wird. Er reagiert
artgemäß: Er kotzt nicht, er scheißt.
Quelle: U.We, Die Welt, 27.7.2005
~~~~~
Premiere
der Wiederaufnahme 2006:
Sonntag, 23 Juli 2006, 17:30 Uhr -
Spielstätte: Domplatz
Besetzung
2006:
Karl Merkatz - Gott der Herr
Ulrike Folkerts - Tod
Peter Simonischek - Jedermann
Bibiana Zeller - Jedermanns Mutter
Norman Hacker - Jedermanns guter Gesell
Karl Merkatz - Ein armer Nachbar
Arthur Klemt - Ein Schuldknecht
Susanne Schäfer - Des Schuldknechts Weib
Johann Christof Wehrs - Der Hausvogt
Olaf Weissenberg - Der Koch
Nina Hoss - Buhlschaft
Heinz Zuber - Dicker Vetter
Achim Buch - Dünner Vetter
Maximilian Brückner - Mammon
Elisabeth Rath - Gute Werke
Elisabeth Schwarz - Glaube
Norman Hacker - Teufel
Florian Denk - Knecht
Riederinger Kinder - Die Spielansager
Ars Antiqua Austria
|
Stab:
Inszenierung: Christian Stückl
Leitung: Martin Kušej
Regie der Wiederaufnahme: Henning Bock
Bühne: Marlene Poley
Kostüme: Marlene Poley, Dorothea Nicolai
Musik: Markus Zwink
Musikalische Leitung: Gunar Letzbor
Peter Simonischek - Maximilian
Brückner
|
Weitere Aufführungen:
24. Juli 2006, 17.30 Uhr ; 25. Juli 2006, 20.30 Uhr ; 31. Juli 2006,
20.30 Uhr ; 5. August 2006, 17.30 Uhr ; 6. August 2006, 17.30 Uhr ; 14.
August 2006, 17.30 Uhr ; 17. August 2006, 17.30 Uhr ; 22. August 2006,
17.00 Uhr ; 25. August 2006, 20.30 Uhr ; 28. August 2006, 16.30 Uhr ;
29. August 2006, 16.30 Uhr
Viel Applaus für Peter Simonischek und Nina Hoss beim
"Jedermann"
Mit
Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel "Jedermann" hat im Jahr 1920 die
Geschichte der Salzburger Festspiele begonnen. So eröffnete
das
Stück
auch das künstlerische Programm der 87. Salzburger Festspiele
am
Abend
des 23. Juli 2006. Bei strahlendem Wetter drängte sich viel
Prominenz
am Domplatz. Peter Simonischek spielte zum fünften Mal den
reichen
Prasser Jedermann, die "Buhlschaft" an seiner Seite gab wie im Vorjahr
die deutsche Schauspielerin Nina Hoss.
Vor der malerischen
Kulisse des Salzburger Doms beeindruckte Simonischek in der Hauptrolle,
der jedes Mal mit dieser Rolle wächst. Nina Hoss, die zuletzt
mit
dem
Film "Die weiße Massai" von sich reden machte,
verkörperte
die
Buhlschaft mit eher zurückhaltender Erotik. Ulrike Folkerts
als
weiblicher Tod gab dem Jedermann-Spiel um Geld oder Glauben einen
zusätzlich weiblichen Akzent. Den komödiantischen
Teil dieser
starken
Frauenfiguren ergänzte Bibiana Zellner als "Jedermanns Mutter"
überzeugend. Neu dabei war in diesem Jahr Norman Hacker in der
Rolle
des guten Gesellen und des Teufels. Er löste Tobias Moretti ab.
Die
diesjährige Inszenierung war eine Wiederaufnahme des Vorjahres
unter
Christian Stückl unter der Leitung von Henning Bock. Das
Premierenpublikum applaudierte lange und anhaltend. Bravo-Rufe gab es
für Simonischek und Nina Hoss.
Quelle: Kulturzeit, 24.7.2006

Karl Merkatz -
Ulrike Folkerts -
Riederinger Kinder
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Norman Hacker - Peter
Simonischek
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Nina Hoss
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Nina Hoss (Photo © AP)
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Norman Hacker
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Ulrike Folkerts (Photo
© AP)
|
Photos:
©
Clärchen Baus-Mattar & Matthias Baus, Salzburger
Festspiele 2006
Muskeln
für
Mammon
"Jedermann" ist eine eigene Welt. Ob im Haus oder auf dem Domplatz
gespielt wird, ist nur eine Frage. Hinter den Kulissen im Freien ist
vieles anders.
Gestern, Dienstag, 29. August, hieß es zum letzten Mal in
diesem
Jahr für Produktionsleiterin Irene Girkinger und das Team des
"Jedermann": "Drinnen oder draußen?" Diese Frage wird immer
erst
zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn entschieden. Da haben - bei
schönem Wetter oder schon in Zweifelsfällen - die
Vorbereitungen von Technik und Bühnenarbeitern auf dem
Domplatz
längst begonnen.
Regnet es nicht, so haben dort auch Irene Girkinger und ihre Kollegen
von der Inspizienz noch einige Wege vor sich: Sind alle Türen
zwischen der Residenz und dem Dom als "Hinterbühne" offen, die
Wellblechtore zum Kapitelplatz hin ordentlich fixiert? Kulisse und
Zuschauerränge müssen behördlich abgenommen
werden - wie
vor jeder Vorstellung üblich.
Noch ganz
wichtig: Steht auf dem Residenzplatz (und
allen anderen relevanten Orten) Mineralwasser für Mannschaft
und
Schauspieler parat? Bis zu zwölf Paletten à 24
Halbliterflaschen werden
pro Vorstellung von den insgesamt rund 150 Beteiligten konsumiert.
Vier Männer heben Mammon aus der Kiste. Besonders geschwitzt
wird
aber
nicht nur auf, sondern ebenso unter der Bühne. Hier, im
niedrigen
Kreuz-und-Quer aus Metallgestängen, wartet eine Hand voll
Bühnentechniker auf ihren Einsatz während der
Vorstellung.
Da ist - mehr noch als im Großen Festspielhaus - Muskelarbeit
gefordert. Die Bühnenteile werden manuell auseinander
geschoben
und
auch "Mammon" Maximilian Brückner hilft keine Hydraulik aus
Jedermanns
Geldkiste.
Eng geduckt wartet er mit seinen Helfern auf den Auftritt. Vier junge
Männer katapultieren ihn dann mittels einer Holzplatte in die
Höhe.
Zurück geht es den umgekehrten Weg, Brückner sinkt
auf ein
bereitgehaltenes Polster. Vor einigen Vorstellungen haben ihm die
Techniker hier unten zur Belohnung gleich ein Flascherl Bier gereicht.
Wenn das Publikum am Ende applaudiert, beginnt der
eineinhalbstündige
Rückbau. Irene Girkingers Arbeitstag ist da fast um: Die
Schauspieler
in die passenden Busse zum Rücktransfer ins Festspielhaus
lotsen
("Tod"
und "Teufel" müssen wegen ihrer Kostüme aufrecht
stehen), das
Publikum
vom Stürmen der Treppe abhalten, dann ist es geschafft.
Für heute und diese Saison. Übrigens: Beim Abschied
gab es
schönes Wetter.
© Michael Brommer, Salzburg (SN).
Quelle: Salzburg.com,
30. August 2006
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Photo:
© Bernhard Hartl
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Peter Simonischek (Jedermann 2002 - 2009)
Abschiedsrede an das Ensemble: Das 'Jedermann' Orakel
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